Nach einem Bericht im Deutschen Ärzteblatt über die geänderten Empfehlungen zur Endokarditisprophylaxe der AHA (American Heart Association), hat auch die DGPK (Deutsche Gesellschaft Pädiatrische Kardiologie) in Abstimmung mit 14 beteiligten Fachgesellschaften ein Positionspapier dazu erarbeitet.
Das Prinzip der bisherigen Prophylaxe der bakteriellen Endokarditis beruhte auf Beobachtungen, die vor über 100 Jahren gemacht wurden, welche jedoch nie beim Menschen im Rahmen einer prospektiven(1), randomisierten, plazebokontrollierten(2) Studie überprüft worden sind. Deshalb schließt sich die DGPK der Folgerung einer amerikanischen Arbeitsgruppe an, dass nur eine extrem geringe Anzahl von Endokarditis-Fällen durch eine Antibiotikaprophylaxe verhindert werden kann und schränkt die Empfehlung nur auf die Patienten ein, bei denen eine Endokarditis besonders schwer verlaufen würde und die ein sehr hohes Risiko haben:
Bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern:
1. Zyanotische Herzfehler, die nicht oder lediglich palliativ mit systemisch-pulmonalen Shunt operiert sind.
2. Operierte Herzfehler mit Implantation von Conduits (mit oder ohne Klappe) oder residuellen(3) Defekten, d.h. turbulenter Blutströmung im Bereich von prothetischem Material
3. Alle operativ oder interventionell unter Verwendung von prothetischem Material behandelten Herzfehler in den ersten 6 Monaten nach Operation
4. Herztransplantierte Patienten, die eine kardiale Valvulopathie(4) entwickeln.
Die Prophylaxe soll dann auch nicht mehr intravenös(5), sondern peroral(6) verabreicht werden. Die Einhaltung einer guten Zahngesundheit / Hygiene kann das Auftreten der Bakteriämien entscheidend reduzieren. In Einzelfällen kann die Endokarditisprophylaxe im Einverständnis von Patient und Arzt fortgeführt werden, insbesondere bei den Patienten, die ohne Probleme und Nebenwirkungen die bisherigen Empfehlungen befolgt haben.
Die Stellungnahme, erschienen in Zeitschrift „Der Kardiologe“ 1:243-250 (2007) finden Sie auf der Homepage der DGPK unter
http://www.kinderkardiologie.uni-kiel.de/Dokumente/Positionspapier_Endokarditisprophylaxe_Endversion.pdf
(1) prospektiv = Überprüfung einer Hypothese (Annahme)
(2) randomisiert, plazebokontrolliert = Nach Aufklärung über Ablauf der Studie und Einwilligung der Eltern werden die Patienten nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhalten i.d.R. die Standardtherapie und ein weiteres Medikament: eine Gruppe ein Placebo (Scheinmedikament), die andere das Präparat mit der zu testenden Wirksubstanz
(3) residuell = weiter bestehend
(4) Valvulopathie = Schädigung der Herzklappe
(5) intravenös = durch Injektion/Spritze
(6) peroral = durch den Mund
Stand: Juli 2008
Quelle: Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. (BVHK)
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