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Moritz F.

Foto Moritz F.

Aorto-pulmonales Fenster und eine genetisch bedingten Funktionsschwäche von Galle und Leber, dem Alagille-Syndrom


Unser Sohn Moritz F. kam im Hamburger Frühling zur Welt. Natürlich war das Wetter alles andere als frühlingshaft und lau. Aber das war uns egal: wir hatten unser Wunschkind im Arm. Moritz wollte früher auf die Welt als errechnet, 4 Wochen hätte er an sich noch Zeit gehabt, aber es sollte nach seinem Willen gehen.....

Die Geburt war, dank PDA, für Mama leicht und schmerzfrei. Der Kleine allerdings musste ganz schön kämpfen und entkam nur in letzter Sekunde dem Notkaiserschnitt. Aber er war gut drauf, trank „normal“ und schien zunächst ein glückliches, gesundes und zufriedenes Baby. Ich nervte Mann und Ärzte mich bitte heim zu schicken, doch es sollte noch Wochen dauern, bis ich mit Kind nach Hause fahren durfte.

Es schien nur Gelbsucht zu sein
Moritz bekam am 4. Lebenstag augenscheinlich Gelbsucht und seine Körpertemperatur sank auf 35,5°C. Nach einer Nacht im UV-Bettchen trat keine Besserung ein und man verlegte ihn auf die Frühchen-Station in ein Wärmebettchen mit rundum UV-Bestrahlung. Mir brach bereits das mein Herz, mein Baby mit Augenbinde und völlig nackt und ich durfte es nicht kuscheln und drücken (außer zum stillen). Ich wusste ja nicht, was noch kommen würde. Dem zuständigen Kinderarzt missfiel es, dass Moritz auf keine Therapie ansprach und checkte den kleinen Mann von oben bis unten durch. Die Diagnose, die mich beim stillen und ohne Anwesenheit meines Mannes traf, war ein harter Schlag! „Ihr Sohn hat einen angeborenen Herzfehler (Aorto-pulmonales Fenster) und eine Funktionsschwäche der Galle und Leber, die auf einen genetischen Defekt hinweisen, welches aber noch detaillierter untersucht werden müsse. Am Montag verlegen wir sie ins UKE.“ Moritz’ Papa fand mich wenige Minuten später nur als heulendes Elend vor und wusste erst nicht, was los war.

Das Wochenende war zermürbend! Mein Mann hatte Müh und Not mich wieder aufzurichten und selber stark zu sein.

Sofort die 1. OP
Endlich war Montag und Mutter und Kind wurden verlegt. Im UKE angekommen wurde Moritz sofort von verschiedenen Ärzten untersucht, geschallt etc.. Der Herzfehler erwies sich als äußerst selten und doch „als Glück im Unglück“, die beiden Hauptschlagadern konnten getrennt und anschließend als zwei verschiedene Adern „ge-patched“ werden. Bei geglückter OP war klar, dass er auch später nicht aufgrund dieser Tatsache noch mal unters Messer musste. Was ein Glück! Die OP wurde auf Juni angesetzt, aber es wurde unerwartet doch früher ein OP-Termin frei!

Die Nacht davor war unerträglich
Die Nacht davor war für mich schon unerträglich, ich hatte so eine Angst, dass etwas passieren würde. OP am offenen Herzen, ich hatte mir doch vorher nie Gedanken über so eine Situation gemacht. Herz-Lungen-Maschine war mir nur aus Fernsehfilmen geläufig und nun sollte diese Maschine für eine gewisse Zeit mein Baby am Leben erhalten. Ich konnte nicht schlafen, Moritz auch nicht. Mitten in der Nacht stand noch mal ein EKG an, der Zugang war ihm schon am Kopf gelegt und er war so winzig, hilflos, gelblich/braun (wie ein färbender Bluterguss). Ich konnte nichts tun, außer ihm einzutrichtern, dass er stark sein und kämpfen musste. Ich war nur froh, dass ich bei ihm sein konnte. Ich habe sogar direkt neben ihm geschlafen und war sofort zur Stelle, wenn er weinte.

Der erlösende Anruf nach der OP
Als mein Mann und ich am nächsten Morgen, zusammen mit einer fürsorglichen Schwester, Moritz in die Arme einer grün vermummten OP-Schwester gaben, habe ich so geweint. Die Angst, die einen trifft ist so gewaltig und manchmal glaubte ich es würde wohl nie vorbeigehen! Doch die Ärzte waren fantastisch, nach vier Stunden kam der erlösende Anruf: ‚ die OP sei gut verlaufen. Ein weiteres, unerkanntes Loch, hatte man gleich mit behoben und Moritz sei stabil und auf dem Weg zur Besserung. Alles in Ordnung.’

Ich war nur noch leer, müde und wollte mein Baby in den Arm nehmen (auf der Intensiv allerdings manchmal schwer umzusetzen). Schon bald ging es Moritz viel besser und er wurde auf die normale Kinder-Herz-Station verlegt, wo ich wieder Tag und Nacht (Dank der Betten des Herz-Kinder-Hilfe Hamburg e. V.) neben ihm sein konnte! Ich hätte es zu Hause auch gar nicht ausgehalten.

Das Alagille-Syndrom
Die Geschichte mit Galle und Leber war noch nicht ausgestanden und wurde noch langwieriger und komplizierter, daher passt sie hier nicht hin, aber sie ist zum Glück nicht so schlimm wie zunächst vermutet und ist seit seinem 7. Lebenstag mit Medikamenten sehr gut zu handeln. Für betroffene Eltern möchte ich hier trotzdem den Namen der vermuteten Krankheit erwähnen: das Alagille-Syndrom (siehe auch Kinder mit Alagille-Syndrom). Dieser genetische Defekt ist schwer auszumachen und der Verlauf der Krankheit sehr differenziert und noch wenig erforscht. Sie geht in jedem Fall mit einem Herzfehler und weiteren Symptomen einher.Nach 5 Wochen konnte ich endlich das UKE mit unserem Sohn Moritz verlassen und unser Familienleben konnte beginnen! Was waren wir glücklich! Und wir sind es heute noch: Moritz hat zwar einen starken Willen (auch Dickkopf genannt), aber dieser Wille und Kampfgeist hat ihm bestimmt sein Leben gerettet und wird ihm auch im weiteren Leben helfen. Dafür sind wir dankbar. Die Arzttermine sind regelmäßig, aber mittlerweile überschaubar. Dafür sehr kräftezehrend und anstrengend, da ein Kleinkind die Notwenigkeit und das Ungefährliche am Röntgen und Ultraschall noch nicht erkennen kann. Es macht ihm immer wieder Angst. Ärzte in weißen Kitteln sind für ihn der Horror und Blut abnehmen eine schmerzvolle Angelegenheit, die er auch noch am nächsten Tag nicht vergessen hat. Aber da die Termine nun weiter auseinanderliegen (zur Zeit alle 6 Monate), ist es für Vater, Mutter und Kind zu schaffen.

Dank dem Ärtzeteam
Unser Dank galt zu der Zeit und auch noch heute dem großartigen Team vom UKE. Prof. Dr. Hraska und Dr. Sauer für die gelungene OP und dem Pflegepersonal auf der Station, die nicht nur Moritz bestens versorgt haben, sondern auch der Mama in mancher schwerer Stunde zur Seite standen, tausend Fragen beantwortet haben oder mich und meinem Mann mit ihrer Fröhlichkeit angesteckt haben.

im März 2006

 
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