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Lars Heyde in Neuseeland – aus der Sicht der Mutter

Foto Inge und Lars Heyde Lars ist groß geworden, immer begleitet vom Gedanken, möglicherweise ein Jahr im englischsprachigen Ausland zu verbringen.

Zu seiner Herzgeschichte
Er wurde mit sehr schweren Herzfehlern geboren ( unterbrochener Aortenbogen plus TGA und hatte zu der Zeit schon eine neue Herzklappe) – aber wir hatten Glück bei den Operationen.
Trotz vieler Komplikationen konnte und kann er ein relativ ‚normales’ Leben führen – er geht zur Schule, er hat Freunde, er macht (eingeschränkt) Sport und er ist eigentlich ein aktiver Mensch.

Als nun die Zeit einer Entscheidung heranrückte, ob er tatsächlich ins Ausland gehen kann und darf, gingen uns als Eltern natürlich viele Gedanken durch den Kopf, denn selbstverständlich ist es bei einem Herzkind KEINE leichte Entscheidung, ihn ein ganzes Jahr ans andere Ende der Welt gehen zu lassen.
Ich selbst habe ein Jahr im Ausland verbracht – und fand es richtig gut – sowohl für mein Englisch, als natürlich auch für den Abnabelungsprozess von meinen Eltern und meinen gesamten Erwachsen-Werden-Prozess.

Wenn es also irgendwie ging, sollte Lars diese positive Lebenserfahrung auch machen können.
Aber würde es denn überhaupt gehen?

Ans andere Ende der Welt
Als erstes habe ich (heimlich) die Kardiologen gefragt.
Nach dem uneingeschränkten Okay (sonst hätten wir es wahrscheinlich nicht gewagt), haben wir in der Familie diskutiert, wohin es denn gehen sollte.
Einige Länder hat Lars verworfen:

  • England (das kenne ich, in London bin ich operiert worden’)
  • Amerika (damals problematisch wegen des Irak Krieges)
  • Südafrika (Rassenproblematik)

Also blieben aus Lars’ Sicht Australien und Neuseeland, nun wirklich alles beide Länder am anderen Ende dieser Erde!
Nach der Entscheidung zu Gunsten von Neuseeland lief dann das normale Programm eines Schüleraustausches statt, wenn auch alles immer einen Tick schwieriger aufgrund der Herzerkrankung:

Das "normale" Programm eines Schüleraustausches

  • Wir fanden eine Organisation, die bereit war, das Risiko eines ‚Herzkindes’ zu tragen.
  • Die Organisation fand dann Lars’ Gastmutter Michelle, die ebenfalls bereit war, ihn aufzunehmen.
  • Bevor er flog, hatte ich sowohl die Anschrift der Kinderkardiologie in Auckland als auch die Adresse der ortsansässigen Elterninitiative herausgefunden und erste Kontakte hergestellt.
  • Aus meiner Sicht war die erste Hürde der Flug von insgesamt 36 Stunden, den Lars aber problemlos überstanden hatte.
  • Als er dann tatsächlich da war, haben wir jeden Sonntag eine Stunde telephoniert (für sage und schreibe 1 – 2 Euro für diese ganze Stunde).
    Das war für uns als Eltern wichtig, um rechtzeitig zu merken und hören, ob alles richtig lief.
  • Zum 18. Geburtstag hatten wir ihm eine Jugend-Zeltreise auf die Südinsel geschenkt.
    Einen Tag vor Abreise trat dann auch tatsächlich ein Herzproblem auf:
    in seiner Herznarbe hatte sich ein eitriger Abszess gebildet.
    Nach intensiven Gesprächen mit den Ärzten hier in Hamburg musste er diese Reise absagen, weil Zeltplätze nun wirklich nicht der richtige hygienische Ort sind für eitrige Abszesse.
    Der Abszess wurde dann in Absprache zwischen Hamburg und Neuseeland geöffnet, der Eiter abgelassen.
    Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei.
    Aber trotzdem:
    An dieser Stelle haben wir uns schon die Frage gestellt: war es richtig, ihn gehen zu lassen?
    Was wäre gewesen, wenn es etwas Schlimmeres gewesen wäre?
    Denn eines war klar: so schnell und einfach könnten wir nicht hinkommen, um ihn persönlich zu unterstützen und ihm zu helfen.
    Dazu sind die Entfernungen einfach zu groß.
    Wir sind da mit einem blauen Auge davongekommen, aber .......

He had the time of his life
Insgesamt hat alles dann noch ganz gut geklappt – Lars hatte tolle Kontakte und, wie er ja selbst in seinem eigenen Bericht schreibt, ‚he had the time of his life....’
Inzwischen ist Lars jetzt wieder seit einem Jahr zurück.
Würden wir es noch einmal machen?
Wahrscheinlich ja.
Wir haben Lars immer erzogen, das zu tun, was für ihn möglich ist – im Rahmen seiner persönlichen Einschränkungen durch den Herzfehler.

Das Kind gehen lassen
Wir haben ihn immer gehen lassen, angefangen von Übernachtungen im Kindergarten, über Klassenreisen bis hin zu Urlaubsreisen– auch wenn es uns als Eltern manchmal schwer fiel.
Ihn nach Neuseeland gehen zu lassen, war sicherlich die schwerste und weitreichendste Entscheidung in unserem bisherigen Leben.
Es ist letztendlich alles gutgegangen.
Dafür sind wir dankbar.

Aber es war sicherlich auch ein bisschen Glück dabei.

Alles Liebe und Gute für dein weiteres Leben, mein Sohn.

Inge Heyde im April 2006

 
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